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- Michael Heidelberger, Der Psychophysische Parallelismus: Von Fechner Und Mach Zu Davidson Und Wieder Zurück.In philosophischen wie nichtphilosophischen Darstellungen wird heutzutage der Ursprung des Leib-Seele-Problems überwiegend mit dem kartesischen Dualismus in Verbindung gebracht. Es wird die Meinung vertreten, daß erst durch Descartes’ Aufteilung des Menschen (und damit der Welt) in die beiden einander ausschließenden Substanzen der res extensa und der res cogitans das philosophische Grundübel in die Leib-Seele-Philosophie gekommen sei.1 Folgerichtig ist man fest davon überzeugt, daß sich das Problem nur lösen läßt, wenn man es an der Wurzel packt und konsequent Descartes’ ontologischen Dualismus verwirft. Ein Herumdoktern an den Symptomen nach Art des Okkasionalismus oder der Leibnizschen Lehre von der prästabilierten Harmonie wird demgegenüber als metaphysisch suspekt und aussichtslos angesehen. Zwar ist inzwischen die Hoffnung, durch bloßen Anti-Cartesianismus ans Ziel zu kommen, etwas geschwunden, nachdem man feststellen mußte, daß die anfänglich so vielversprechende Kritik des Behaviourismus an Descartes nicht zum Ziel führte. Und auch mit der nächsten, von der Identitätstheorie hervorgerufenen großen Welle der Descartes-Kritik sind die Lösungen bis heute nicht so befriedigend ausgefallen, wie man sie gerne hätte. Die Überzeugung ist aber weiterhin stark, daß eine Lösung für das Leib-Seele-Problem zuallererst die Verwerfung des kartesischen Dualismus erfordert.
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Die Liebe ist auf der einen Seite die erste Stufe des menschlichen Handelns, auf der anderen Seite ist sie die Letzte. Die Liebe ist bei jeder Periode der Emanzipation des Individuums dabei und führt ihre Existenz parallel zum Entwicklungsgrad des Bewusstsein fort. Die Emanzipation findet da statt, wo das Individuum und der Andere zusammen sind. Waehrend das "Ich" seine Emanzipation verwirklicht, traegt es auch die Emanzipation des Anderen in sich. Das kritische Bewusstsein des Individuums über Fakten, Begriffe und Phaenomene startet beim Individuum seine Emanzipation, weil das kritische Bewusstsein eine dem Daseienden gegenüber unterschiedliche autonome und originelle individuelle Haltung verschafft und über sich und andere Bewusstsein bildet. Das zeigt, dass das philosophische Bewusstsein, das mit der Hoffnung begonnen hatte, sich im Emanzipationsabenteuer des Menschen zu einem höheren Niveau entfaltet. Die dritte Phase der Emanzipation est die Phase der Selbstverwirklichung des Individuums. Diese Phase bedeutet, dass das Individuum in Situationen, die ihn betreffen, nach freien Willen entscheiden kann und sich nicht der Macht eines anderen Willens beugt, dass es seine eigenen Begabungen, Fertigkeiten oder Faehigkeiten nach eigenen Willen verwirklicht.
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Was genau ist eigentlich eine Ich-Störung? Ich werde auf den folgenden Seiten dafür argumentieren, daß man die Natur dieses Typs von psychiatrischen Störungsbildern besser verstehen kann, indem man einen Blick über die medizinischen Fachgrenzen hinweg in die analytische Philosophie des Geistes [1] und in die Kognitionswissenschaft [2] wirft. Beiden Disziplinen ist gemeinsam, daß mentale Zustände dort häufig einer funktionalen Analyse unterzogen und als Informationsverarbeitungsereignisse beschrieben werden. Das bedeutet, daß mentale Zustände dabei zunächst mit Blick auf die kausale Rolle untersucht werden, die sie im System spielen. Das System selbst wird als natürlich entstandenes Informationsverarbeitungssystem mit einer langen biosozialen Geschichte analysiert, welches Repräsentationen der Welt und von sich selbst in ihr erzeugt. Psychiatrische Störungsbilder sind unter dieser Perspektive Störungen des Informationsflusses, insbesondere Störungen in der Art und Weise, in der es die Welt und sich selbst..
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Der Engel der Geschichte in den Thesen von Walter Benjamin schaut zurück aus drei Gründen: Erstens, weil es epistemologisch unvermeidbar und notwendig ist, zurück zu schauen, oder: Der Engel kann nicht nach vorne sehen und muß nach hinten blicken, um seine Umgebung zu verstehen. Zweitens, weil ontologisch die Zukunft nicht existiert, da der .Fortschritt' keine Tendenz einer Annäherung an eine bessere Zukunft, sondern das Sich-Entfernen vom verlorenen Paradies ist, und weil die Zeit als etwas homogenes, das automatisch voranschreitet, nicht existiert. Drittens, weil es politisch notwendig ist, nach hinten zu schauen, weil es nicht möglich ist, dem Nationalsozialismus Einhalt zu bieten, wenn er als Ausnahmezustand, der einem unvermeidbaren Fortschritt diametral gegenübersteht, verstanden wird.
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Es fällt auf, daß in Fichtes Einleitung in die Sittenlehre von Sitten oder von Sittlichkeit ebensowenig die Rede ist wie von Moral; auch über Ethik wird so gut wie nichts gesagt. Abgesehen von einer vielversprechenden Ankündigung, die jedoch keinen unmittelbaren Bezug auf ethische Fragen hat, gibt sie keinerlei Auskunft über die spezifischen Aufgaben und die Argumentationsstrategie des Buches, dessen Einleitung sie ist. Was sie statt dessen bietet, ist eine konzise Darlegung der fundamentalen philosophischen Prämissen Fichtes und eine wirkungsvolle Illustration der für Fichte typischen Kombination von transzendentalen und phänomenologischen Herangehensweisen an die Philosophie im allgemeinen und an die Probleme des Handelns im besonderen. Wenn wir uns Fichtes Text nähern, dann tun wir gut daran, uns auf drei Punkte zu konzentrieren: auf den systematischen Ort des Textes im Korpus seiner Schriften und in seinem System, auf Fichtes Skizze sowohl der Phänomenologie als auch der transzendentalen Bedingungen der Tätigkeit und schließlich auf das Problem, wie die spezifische Normativität von Fichtes transzendentalphänomenologischen Gesetzen zu verstehen ist.
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In meinem Referat werde ich an das philosophische Problem der Ewigkeit der Welt anknüpfen. Wenn wir dieses Problem philosophisch betrachten, müssen wir uns auf das frühe Stadium der Weltevolution ziehen, d.h. auf das „präphysische" Stadium. Als „präphysisch" bezeichne ich das Frühstadium der kosmologischen Evolution, das angesichts der damaligen extremen Verhältnisse durch begründete fundamentale Theorien der gegenwärtigen Physik, wie Quantenmechanik, Relativitätstheorie oder Thermodynamik nicht zu beschreiben oder zu erklären ist. Heute kennen wir nur die obere Zeitgrenze dieses Stadiums, die sog. Plancksche Schwelle, die 10~^3 s. beträgt. Das Hauptproblem im Prozess der ontologischen Charakteristik dieses Stadiums ist der Versuch, seine untere Zeitgrenze festzulegen. Mit diesem Problem ist nämlich eine der ältesten und viel diskutierten philosphischen Fragen verbunden, und zwar das Problem der Ewigkeit der Welt und : (1) das Problem des Zeitraums des „präphysischen" Stadiums (es geht um das Festlegen seiner unteren Zeitgrenze - dauerte es unendlich lang oder aber nur einen winzigen Sekundenteil?), (2) ist der Anfang der Zeit (falls es ihn gäbe) zugleich der Anfang der Welt?, (3) bildet der Grosse Ausbruch den absoluten Anfang der Welt oder nur den Anfang eines von mehreren Stadien in ihrer Evolution, (4) setzt die Möglichkeit des absoluten Anfangs der Welt unbedingt die Kreation Gottes voraus (die supranatürliche Kreation) oder läbt eine Möglichkeit die Entstehung der Welt auf eine natürliche Weise zu (die natürliche Kreation), (5) das Problem des „sonderlichen" Moments. Alle diese Fragen, stelle ich auf der Basis der neueren Errungenschaften der Physik und Kosmologie dar.
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In der Philosophie ist man sich heute weitgehend einig, daß das, was man gemeinhin unter dem Stichwort ‘Bewußtsein’ zusammenfaßt, eine Reihe sehr unterschiedlicher Aspekte beinhaltet. Bewußtsein hat zunächst einmal etwas mit Selbstwissen zu tun, d.h. mit der Fähigkeit mancher Wesen, nicht nur ihre Um- welt, sondern auch sich selbst, ihre eigenen Zustände und Handlungen zu reprä- sentieren. Die hier einschlägigen Stichworte heißen deshalb ‘Metarepräsenta- tion’2 und ‘Selbstmodell’. Dabei ist das zweite Stichwort letztlich treffender, da die Repräsentationen der Umwelt und der eigenen Zustände und Handlungen nicht unverbunden nebeneinander stehen, sondern so miteinander verknüpft sein sollten, daß eine Repräsentation des Wesens selbst in seiner Umwelt ent- steht. Nur auf diese Weise kann der Zweck dieser Art von Repräsentationen erreicht werden: die Überwachung und Steuerung der eigenen Handlungen (‘self-monitoring’).
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Um die Mitte des 19. Jahrhunderts tritt die Sinnesphysiologie in eine neue Phase ein. Sie löst sich allmählich von der akademischen Philosophie und bildet sich zu einer professionellen experimentellen Disziplin aus. Trotzdem ist die Philosophie aber nicht völlig aus dem Spiel; es kommt vielmehr zu einem Wettstreit physiologischer Schulen innerhalb der Physiologie selbst um ihre impliziten philosophischen Anschauungen. Außerdem liefern sich die längst etablierte Disziplinen der Physik, Physiologie und Psychologie so etwas wie einen Machtkampf um das Anrecht, die Sinnesphysiologie als Teil ihres Gebiets ansehen zu können. Die einzelnen Wahrnehmungstheorien unterscheiden sich also sowohl durch die Rolle, die sie den einzelnen Wissenschaften bei der Erklärung der Wahrnehmung zuweisen, als auch durch die ihnen zugrundeliegenden philosophischen Anschauungen. (Vgl. Heidelberger 1993, 1997).
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Seit alters her wird die Würde des Menschen von den Philosophen erörtert, jedoch in der Gegenwart hat sie noch eine besondere Bedeutung nicht nur bei den Fragen der Menschenrechte sondern auch in der Medizin gewonnen. Klassische Philosophie, Rechtsphilosophie, Medizinethik, Bioethik sind betroffen, doch es ist zu fragen, ob nicht auch der Chemie und die Chemische Ethik, deren Grundzüge ich auch auf dem XX. Weltkongreß für Philosophie in Boston vorzutragen Gelegenheit hatte, in die Untersuchung einbezogen werden müssen. Es ist nämlich die Möglichkeit zu bedenken, daß die Würde des Menschen auch in der chemischen Struktur des Menschen verankert ist und so mit auf Gen chemischen Weg weitervererbt werden könnte.
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Leib-Seele-Problem – 1. Begriff und Problem. Die Frage nach der Beziehung zwischen Körper und Seele (S.) ist die zentrale Frage des Leib-S.- bzw. des Körper-Geist-Problems. Der Aus- druck ‹Körper-Geist-Problem› ist aus zwei Gründen vorzuziehen. Erstens ist der Ausdruck ‹Leib› (L.) sowohl in der Alltags- als auch in der philosophischen Fachsprache mit vielen Kon- notationen verbunden, die Anlaß zu Mißverständnissen sein könnten. Zweitens unterscheidet man im Dt. häufig zwischen Geist und Seele, indem man dem Geist den Bereich des rationalen Überlegens und Handelns zuordnet, der S. dagegen den Bereich der Gefühle und der Intuition. Um das Problem, um das es geht, zu kennzeichnen, benötigt man jedoch ein Wort, das – wie das englische ‹mind› – beide Bereiche umfaßt. Aus diesem Grund scheint der Ausdruck ‹Geist› auf den ersten Blick ebenso unpassend wie der Ausdruck ‹S.›. In der philosophischen Fachsprache hat es sich jedoch eingebürgert, ‹mind› mit ‹Geist› zu übersetzen, und aus diesem Grund ist die- ses Wort in diesem Zusammenhang vorzuziehen. Hinter der Frage nach der Beziehung zwischen Geist und Körper steht die grundlegendere Frage nach der ontologischen Natur des Geistigen. Ist das Geistige etwas Eigenständiges, das vom Physischen grundsätzlich verschieden ist? Oder ist das Geistige selbst nur eine Spielart des Phy- sischen? Einen Geist zu haben heißt, daß man wahrnehmen, überlegen und sich erinnern kann, daß man Überzeugungen, Wünsche und Befürchtungen haben und daß man Schmerz und Freu- de empfinden kann. Einen Geist zu haben bedeutet also, daß man über bestimmte Fähigkeiten und Eigenschaften verfügt. Im Hinblick auf die Frage nach der ontologischen Natur des Geisti- gen muß man daher zwei Teilfragen unterscheiden: 1. Was ist die Natur der Träger mentaler Eigenschaften? 2. Was ist die Natur dieser Eigenschaften selbst? Die erste Frage verweist auf das Problem mentaler Substanzen, die zweite Frage auf das Prob- lem mentaler Eigenschaften. Im Hinblick auf beide Fragen kann man zwischen Dualisten und Monisten unterscheiden, wobei weiter drei Spielarten des Monismus unterschieden werden müssen: Der Materialismus oder Physikalismus mit seiner These, daß alles physischer Natur ist; der Idealismus mit der These, daß alles geistiger Natur ist; und schließlich der neutrale Monis- mus, der behauptet, daß alles von Natur aus gleich ist, daß diese Natur jedoch weder geistig noch physisch ist..
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Es ist eine weit verbreitete Überzeugung in der Erkenntnistheorie und in der Philosophiehistorie, dass es in der Antike weder ein Außenweltproblem noch einen Idealismus gegeben habe, der damit rechnet, dass es überhaupt keine Außenwelt im Sinne der raum-zeitlich ausgedehnten Totalität aller kausal miteinander verknüpften Einzeldinge gibt. Da der Skeptizismus in der Tat sowohl in der frühen Neuzeit als auch im nachkantischen Idealismus eine Begründungsfunktion in der idealistischen Theorieoption übernimmt, wäre die historische Annahme eines Idealismus in der Antike unplausibel, hätte es seinerzeit kein Außenweltproblem gegeben. Nun lässt sich aber nicht nur zeigen, dass Sextus Empiricus, der berühmteste Skeptiker der Antike, dessen Denken in der zeitgenössischen Philosophie eine wahrhafte Renaissance erlebt, das Außenweltproblem ins Zentrum seiner Argumentation gegen den Materialismus rückt. Darüber hinaus reagiert nämlich Plotin auf Sextus mit einem idealistischen System, das erklärt, wie die Illusion einer Außenwelt durch die Tätigkeit einer strebenden Intentionalität zustande kommt, die Plotin als „Seele“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang entwickelt Plotin eine Theorie der Produktion der Außenwelt und ihres Scheins von Materialität. Damit greift er die skeptische Destruktion des antiken Materialismus auf und überbietet diese als erster explizit durch die Konstruktion eines idealistischen Systems. Auf diese Weise antizipiert er wichtige Grundgedanken Fichtes und Schellings. Dieser in der Forschung bisher fast unbeleuchtete Zusammenhang von Skeptizismus und Idealismus in der Antike wird in einer historischen und systematischen Studie untersucht, die sich als die Genealogie eines nur vermeintlich ausschließlich modernen Problems versteht. Die Entfremdung des Subjekts von seiner Welt ist demnach kein historischer Holzweg, der in der Philosophie erst seit Descartes gangbar ist, sondern erweist sich vielmehr als eine Grundkonstante der philosophischen Reflexion..
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