Synthesis Philosophica 21 (2):431-459 (2006)

Abstract
Im Rahmen der zeitgenössischen Diskussionen über die Voraussetzungen der Demokratie stellt der Verfasser die Frage, ob es verfahrensmäßig angemessener sei, die Gerechtigkeit primär unter dem sozialen Aspekt und nicht im Bezug zur personalen Ebene zu behandeln. Dies hängt mit der Frage nach dem Primärobjekt der Gerechtigkeit zusammen: Ist Gerechtigkeit eine Eigenschaft der Institutionen oder der Einzelnen? Daraus folgt die Frage: Welche Gerechtigkeit bekommt der Demokratie? Im Artikel wird dieser Fragenkomplex an drei Grundmodellen der Gerechtigkeitstheorie abgehandelt: Platon, Aristoteles und Rawls. Bei Platon geht es um die Verwirklichung des guten Lebens in der politischen Gemeinschaft, ausgehend von der Gerechtigkeitsvorstellung, der gemäß jeder das Seinige tun sollte. Aristoteles’ Gerechtigkeitsauffassung geht von der systematischen Ausarbeitung einer Begrifflichkeit aus, die verschiedene Gerechtigkeitsebenen der umfassenden und der partikularen Gerechtigkeit unterscheidet. Rawls’ Modell der Verteilungsgerechtigkeit gründet auf dem Kräftemechanismus eines institutionellen Funktionszusammenhangs in der wohlgeordneten Gesellschaft. Die Schlussthese besagt, dass beide Gerechtigkeitsformen der Verwirklichung der Demokratie gut bekommen. Am besten ist es, wenn die personale Gerechtigkeitsdisposition den sozialen Institutionen der Demokratie Kraft und Unterstützung gibt. Ohne angemessenen institutionellen Rahmen kann man wohl keine Demokratie aufbauen. Jedoch ohne die aus dem grundsätzlichen Einverständnis erwachsende personale Unterstützung seitens der Bürger lässt sich die Demokratie weder erhalten noch weiterentwickeln. In der demokratischen Ordnungsform kann die private Sphäre der Bürger nicht ganz von deren öffentlichem Handeln getrennt werden. Demokratie enthält in sich immer etwas vom politischen Ideal, zu dem die Bürger einen Bezug herstellen sollen, statt in völliger weltanschaulicher Neutralität zu verbleiben. Die Fragen der institutionellen politischen Gestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse wie auch die Fragen des guten und gerechten Lebens gehören zu den Dingen, um die sich die Bürger kümmern sollen. Wenn sie ihr demokratisches Ideal mit ihrer Gesinnung und Tauglichkeit nicht erfüllen, gibt es keine identitätsstiftende Substanz für eine gerechte Ordnung der gesellschaftlichen Institutionen. Wenn sie sich zu ihr nicht als zu ihrem Gemeinsinn und einem zu bewahrenden Gut verhalten, hat Demokratie keine Perspektive
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