Zweite Natur: Stuttgarter Hegel-Kongress 2017

Klostermann (2022)
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Abstract

Der Begriff "Zweite Natur", der schon in der Antike Verwendung findet, nimmt in den philosophischen Debatten der Gegenwart eine Schlusselstellung ein. Auch wenn er in verschiedenen Traditionszusammenhangen jeweils anders gedeutet wird, soll mit dem Begriff doch immer das Problem gelost werden, wie sich Natur und Freiheit, kausale Notwendigkeit und menschlicher Geist zueinander verhalten. In der auf Marx zuruckgehenden Tradition wird mit "Zweiter Natur" in kritischer Absicht der historischen Umstand bezeichnet, dass sich die geschichtliche Entwicklung weiterhin ohne vernunftige Planung und daher wie ein blinder Naturprozess vollzieht; in der sich auf Hegel berufenden und an Aristoteles anschliessenden Tradition wird mit "Zweiter Natur" die Tatsache umrissen, dass sich viele unserer kognitiven und moralischen Verhaltensweisen als Resultate von Gewohnheitsbildungen verstehen lassen und daher so etwas wie eine kunstliche Natur im Ganzen unserer Lebensweise darstellen; und schliesslich wird in einer dritten, eher auf Nietzsche und Freud zuruckgehenden Tradition mit dem Verweis auf unsere "Zweite Natur" die Aufmerksamkeit darauf gelenkt, dass in das menschliche Verhalten immer auch Zwange unserer biologischen Natur hineinragen und dieses daher wie von aussen beeinflussen oder gar bestimmen. Der Kongress der Internationalen Hegel-Vereinigung vom 14. - 17. Juni 2017 in Stuttgart suchte zur Aufklarung des Verhaltnisses dieser drei mit dem Begriff der "Zweiten Natur" verknupften Assoziationsfelder beizutragen. In elf Kolloquien, deren Beitrage dieser Band nun veroffentlicht, wurde im Lichte verschiedener Disziplinen diskutiert, wie die Beziehung zwischen menschlicher Freiheit und Natur angemessen aufzufassen ist; das Themenspektrum reichte dabei von historischen Auseinandersetzungen mit einzelnen Traditionen und Epochen bis zur Behandlung der Rolle der "Zweiten Natur" in der Asthetik, der Sozialphilosophie, der Psychoanalyse und der Anthropologie. Erganzt wurde dieser thematische Bogen durch drei Plenarvortrage und einem Forum freier Kurzvortrage, auf dem NachwuchswissenschaftlerInnen ihre Uberlegungen zur Fragestellung des Kongresses vorstellen konnten. Der Band bietet damit einen sowohl historischen wie systematischen Uberblick uber einen philosophischen Schlusselbegriff der Gegenwart.

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