Der Begriff der Liebe in Hegels „Ästhetik“ im Lichte der Vereinigungsphilosophie

Hegel-Studien 34:115-134 (1999)

Authors
Eva-Maria Engelen
Universität Konstanz
Abstract
Die Ausführungen zum Begriff der Liebe in Hegels Ästhetik lassen sich als Spuren der Auseinandersetzung Hegels mit der Vereinigungsphilosophie lesen. Nach der These dieses Aufsatzes enthält die Ästhetik diese Spuren also noch, obgleich Hegels Abschied von der Vereinigungsphilosophie längst vollzogen war, als die Vorlesungen zur Ästhetik entstanden sind. Die Begriffe Philosophie der Vereinigung und Vereinigungsphilosophie bezeichnen Positionen in der Philosophie des 18. Jahrhunderts, die sich mit der Selbstwerdung des Subjekts oder des Bewußtseins befassen und mit der für die Selbstwerdung erforderlichen Hingabe an ein Äußeres, Anderes. Infolge der Hingabe an ein Äußeres, Anderes werden dem Selbst die Grenzen und der Grund seines Selbst bewußt. Das Selbst benötigt demnach das Andere, um zu sich selbst zu kommen. Die Hingabe an das Endliche außer uns, die erforderlich ist, um in Abgrenzung zum Anderen zu einem Selbst zu werden, wird als Liebe im Sinne des Eros bestimmt. Diese Liebe ist der Antrieb, die Vereinigung mit dem Erstrebten zu suchen und die Erkenntnis des Wahren zu fin Für die Selbstwerdung oder Selbsterkenntnis werden dabei, je nach philosophischer Konzeption, unterschiedliche Bereiche als Ort der Vereinigung angenommen: Der Bereich der Religion, der auf die Erkenntnis Gottes und der Seele abhebt, die nur in der Wiedervereinigung der Seele mit Gott im Jenseits zu erlangen ist. Oder der Bereich des Schönen, der für Hölderlins Philosophie der Vereinigung zentral ist. Die allen Formen der Vereinigungsphilosophie zugrundeliegende Frage ist die nach dem Verhältnis zwischen dem Selbst (oder der Seele) und dem Begehrten, das zur Selbstwerdung gebraucht wird. Das Projekt der Selbstwerdung stellt aber nicht nur das erklärte Anliegen der Vereinigungsphilosophie dar, sondern auch das der romantischen Kunst, die, so Hegel, zur reinen unendlichen Identität mit sich selbst führt und nur noch einen Gott, einen Geist, eine absolute Selbstständigkeit kennt. Es ist für diese Periode nach Hegel geradezu die Aufgabe der Kunst, den Prozeß hin zur Subjektivität darzustellen.
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