Skeptizismus und idealismus in der antike


Abstract
Es ist eine weit verbreitete Überzeugung in der Erkenntnistheorie und in der Philosophiehistorie, dass es in der Antike weder ein Außenweltproblem noch einen Idealismus gegeben habe, der damit rechnet, dass es überhaupt keine Außenwelt im Sinne der raum-zeitlich ausgedehnten Totalität aller kausal miteinander verknüpften Einzeldinge gibt. Da der Skeptizismus in der Tat sowohl in der frühen Neuzeit als auch im nachkantischen Idealismus eine Begründungsfunktion in der idealistischen Theorieoption übernimmt, wäre die historische Annahme eines Idealismus in der Antike unplausibel, hätte es seinerzeit kein Außenweltproblem gegeben. Nun lässt sich aber nicht nur zeigen, dass Sextus Empiricus, der berühmteste Skeptiker der Antike, dessen Denken in der zeitgenössischen Philosophie eine wahrhafte Renaissance erlebt, das Außenweltproblem ins Zentrum seiner Argumentation gegen den Materialismus rückt. Darüber hinaus reagiert nämlich Plotin auf Sextus mit einem idealistischen System, das erklärt, wie die Illusion einer Außenwelt durch die Tätigkeit einer strebenden Intentionalität zustande kommt, die Plotin als „Seele“ bezeichnet. In diesem Zusammenhang entwickelt Plotin eine Theorie der Produktion der Außenwelt und ihres Scheins von Materialität. Damit greift er die skeptische Destruktion des antiken Materialismus auf und überbietet diese als erster explizit durch die Konstruktion eines idealistischen Systems. Auf diese Weise antizipiert er wichtige Grundgedanken Fichtes und Schellings. Dieser in der Forschung bisher fast unbeleuchtete Zusammenhang von Skeptizismus und Idealismus in der Antike wird in einer historischen und systematischen Studie untersucht, die sich als die Genealogie eines nur vermeintlich ausschließlich modernen Problems versteht. Die Entfremdung des Subjekts von seiner Welt ist demnach kein historischer Holzweg, der in der Philosophie erst seit Descartes gangbar ist, sondern erweist sich vielmehr als eine Grundkonstante der philosophischen Reflexion..
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