Synthesis Philosophica 24 (1):65-78 (2009)

Abstract
Eine von zahlreichen Definitionen bestimmt die Globalisierung als einen dynamischen Prozess, bei dem soziale Strukturen der Modernisierung wie Kapitalismus, Bürokratie, Hightech sowie die Philosophie des Rationalismus und Liberalismus die Herrschaft über die Welt übernommen haben. In diesem Sinne hat der Liberalismus als das vorgezeichnete politische Muster der zeitgenössischen Globalisierung tatsächlich die allgemeine Vorherrschaft inne. Vor dem Hintergrund der Resultate der Globalisierung propagieren die Regierungen der meisten Staaten eine neoliberale Politik, ebenso wie einflussreiche internationale und multilaterale Einrichtungen die Globalisierung regelmäßig mit Liberalisierung in Verbindung bringen. Die führenden Akteure der neoliberalen Globalisierung erweisen sich auch in Handelskreisen als ausschlaggebend, zumal an den Finanzmärkten, und ihre Zahl mehrt sich unter den Managern internationaler Unternehmen. Ebenso werden Unternehmensvereinigungen und Börsenpflichtblätter zu Hochburgen des Neoliberalismus, der generell als orthodoxe Richtung der Globalisierungspolitik betrachtet wird. Mit anderen Worten, eine solchermaßen verstandene neoliberale Weltanschauung wird in letzter Zeit widerspruchslos als offenkundige Wahrheit akzeptiert, die einem der „gesunde Menschenverstand” auferlege. Im Text wird die These elaboriert, dass der Neoliberalismus – eine Art philosophischer, politischer und wirtschaftswissenschaftlicher Theorie, bekannt auch unter dem Namen Libertarismus, die sich als vorherrschender theoretischer Ansatz in der zeitgenössischen Globalisierung aufdrängt – nicht sehr viel gemein habe mit dem Ideal der liberalen Demokratie einer gut eingerichteten Gesellschaft, das aus den diametral entgegengesetzten Ideen, Aspekten und Dimensionen der liberalen Philosophie erwachse. Die soziale Philosophie des Liberalismus, die in den Schriften von Kant, Hayek, Dworkin und Rawls entwickelt wurde, reflektiert die Konzeption der modernen liberalen Demokratie, die begründet ist auf der Getzesherrschaft, dem Schutz von Menschen- und Bürgerrechten sowie auf den Ideen von Gleichheit, Gerechtigkeit und Rechtschaffenheit. In diesem Sinne sind Programme zur „positiven Diskriminierung“ sozialer Unterschichten vollkommen in Übereinstimmung mit der angeführten liberalen Philosophie, die sich für den Schutz individueller Rechte einsetzt. Die wirtschaftliche und kulturelle Globalisierung muss ausgehend von den genannten Standpunkten einer klaren konzeptuellen Analyse unterzogen werden, die der normativen Forderung nach einer globalisierten Verantwortung zum Schutz der globalen Zukunft der Menschheit Rechnung trägt. Eine Art demokratischer Kontrolle sowie Gesetzesherrschaft sind in unserer globalisierten Welt gleichermaßen notwendig. Die zentrale Aufgabe der globalen Politik – ein globales Chaos zu verhindern, das unweigerlich auf eine unkontrollierte Globalisierung folgen würde – impliziert unter anderem auch die Etablierung einer globalen Demokratie, die mit einer internationalen Rechtsordnung ausgestattet wäre. Doch hinsichtlich der Errichtung einer globalen Demokratie und Rechtsherrschaft ergibt sich die entscheidende Frage, die sich nur sehr schwer beantworten lässt: Wie soll man in unserer geteilten, globalisierten Welt eine Politik globaler Demokratie auf die Beine stellen?
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