Abstract
Es fällt auf, daß in Fichtes Einleitung in die Sittenlehre von Sitten oder von Sittlichkeit ebensowenig die Rede ist wie von Moral; auch über Ethik wird so gut wie nichts gesagt. Abgesehen von einer vielversprechenden Ankündigung, die jedoch keinen unmittelbaren Bezug auf ethische Fragen hat, gibt sie keinerlei Auskunft über die spezifischen Aufgaben und die Argumentationsstrategie des Buches, dessen Einleitung sie ist. Was sie statt dessen bietet, ist eine konzise Darlegung der fundamentalen philosophischen Prämissen Fichtes und eine wirkungsvolle Illustration der für Fichte typischen Kombination von transzendentalen und phänomenologischen Herangehensweisen an die Philosophie im allgemeinen und an die Probleme des Handelns im besonderen. Wenn wir uns Fichtes Text nähern, dann tun wir gut daran, uns auf drei Punkte zu konzentrieren: auf den systematischen Ort des Textes im Korpus seiner Schriften und in seinem System, auf Fichtes Skizze sowohl der Phänomenologie als auch der transzendentalen Bedingungen der Tätigkeit und schließlich auf das Problem, wie die spezifische Normativität von Fichtes transzendentalphänomenologischen Gesetzen zu verstehen ist.
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