Kant-Studien 98 (1):106-126 (2007)

Abstract
Die Philosophie Johann Baptist Schads – und für sie sei in dieser Untersuchung stellvertretend und ein wenig verkürzend sein Neuer Grundriss der transcendentalen Logik nach den Principien der Wissenschaftslehre aus dem Jahr 1801 herangezogen – beansprucht für sich keine vollständige, sondern nur partielle Eigenständigkeit, indem sie zwar v.a. auf das Gedankengut Fichtes zurückgreift, allerdings für sich reklamiert, die Hauptthesen der Wissenschaftslehre zu Ende zu denken, was in Schads Augen allein dadurch geschehen kann, daß das Übersinnliche, das Absolute, traditionell gesprochen: Gott oder die Gottheit, mit den zu erarbeitenden, überformalen Mitteln der transzendentalen Logik als das gedacht wird, was nicht mehr eigentlich gedacht und nur noch in Negationsbezügen unzutreffend angesprochen zu werden vermag. Der eigenen Aufgabenstellung mit den in ihr zunächst nur enthaltenen, sich aber im Verlauf der folgenden systematischen Analysen bestätigenden Prämissen – etwa einer internen Logikdifferenz oder des grundsätzlichen Wahrheitsziels der Philosophie – folgend erarbeitet Schad eine transzendentale Logik, die diese wahre Philosophie sein soll, womit er sich einerseits dem Vernunftprogramm Kants anschließt, um andererseits die grundsätzlichen Bestimmungen der Wissenschaftslehre Fichtes aufzunehmen – in derjenigen Form, in der sie ihm allein bekannt sein konnten, was zwangsläufig bedeutet, daß Schad die späteren Versionen der Wissenschaftslehre und zumal die Logikausarbeitungen Fichtes in seinen Vorlesungen aus dem Jahr 1812 nicht berücksichtigen konnte, obwohl sie beim Rückvergleich mit Schads Werk sichtbar machen, daß die Wege Fichtes mit denen des Letztgenannten keinesfalls konvergieren, was jedoch nach der schon früh ablehnenden Haltung des Wissenschaftslehrers seinem selbsternannten Nachfolger gegenüber nicht zu erstaunen vermag. Daß hingegen trotz Fichtes negativer Bewertung den Ausführungen Schads durchaus ein Eigenwert sowie eine interessante Weiterführung der Wissenschaftslehre nicht abgesprochen werden können, mögen die folgenden Überlegungen beweisen
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DOI 10.1515/kant.2007.005
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