Anthropologie, Religion und Politik in der praktischen Philosophie al-Fārābīs und in den politischen Traktaten Machiavellis

In M. Stork V. Pantazis (ed.), Ommasin allois, Festschrift für Professor Ioannis E. Theodoropoulos zum 65. Geburtstag. Oldib Verlag. pp. 151-189 (2014)
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Abstract

Die ethische und politische Philosophie al-Fārābīs beruht auf einer philosophischen Anthropologie, die die Menschen als von Natur aus als ungleich betrachtet und der Natur eine fundamentale Bedeutung zuschreibt. Die Natur stattet nur wenige Menschen mit besonderen Fähigkeiten aus, sodass die Verwirklichung der höheren theoretischen, geistigen, moralischen Tugend und der praktischen Kunst nur jene betrifft, die von der Natur dafür ausersehen wurden. Die Anthropologie ist darüber hinaus auch ein wichtiges Instrument politischen Handelns. Der Herrscher muss sich kontinuierlich dem Studium der menschlichen Natur widmen und die jeweiligen Eigenschaften benennen, die bestimmten Menschengruppen zugeschrieben werden. Dadurch kann er die geeigneten Mittel identifizieren, mit denen jede Gruppe zur Glückseligkeit geführt werden kann, und wählt die für jeden Fall geeigneten Argumente. Niccolò Machiavelli stützt sein gesamtes politisches Denken auf die Anthropologie. Ein zweiter Pfeiler der politischen Philosophie Machiavellis ist, wie bei al-Fārābī auch, die Religion. Beide machen sich Gedanken über die politische Dimension der Religion, ohne dass Machiavelli aber bis zur Entgeistigung der Religion gehen würde, wie es al-Fārābī gewagt hatte. Neben der Anthropologie, die ein integrales Element des politischen Denkens al-Fārābīs und Machiavellis darstellt, teilen sie sich die Auffassung von der Religion als Instrument politischen Handelns. Beide versuchten den Menschen zu zeigen, dass auf dem Gebiet des öffentlichen Lebens die Regierungskunst der Religion überlegen ist, ohne sich im Besonderen mit ihrem Wert an sich und ihrer Bedeutung für das private Leben zu befassen. Der substantielle Unterschied zwischen beiden liegt in der Breite der politischen Mittel. Hier ist die Innovation Machiavellis offensichtlich, weil sich seine Anthropologie von der al-Fārābīs unterscheidet.

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Georgios Steiris
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