Über den Homunkulus-Fehlschluss

E-Journal Philosophie der Psychologie 14 (2010)
  Copy   BIBTEX

Abstract

Ein Homunkulus im philosophischen Sprachgebrauch ist eine postulierte menschenähnliche Instanz, die ausdrücklich oder unausdrücklich zur Erklärung der Arbeitsweise des menschlichen Geistes herangezogen wird. Als Homunkulus-Fehlschluß wird die Praxis bezeichnet, Prädikate, die auf kognitive oder perzeptive Leistungen einer ganzen Person zutreffen, auch auf Teile von Personen oder auf subpersonale Vorgänge anzuwenden, was typischerweise zu einem Regreß führt. Der vorliegende Beitrag erörtert den Homunkulus-Fehlschluß zunächst in argumentationstheoretischer Hinsicht und stellt dabei ein Diagnoseschema auf. Dann werden zwei Anwendungsfelder erörtert: Instanzenmodelle der Psyche (Platon, Freud) sind ihrer Natur nach homunkulusgefährdet, denn es ist aufgrund der holistischen Zuschreibungsbedingungen mentaler Fähigkeiten schwer plausibel zu machen, wie eine innerpsychische Instanz den ihr zugedachten Beitrag leisten soll, ohne über eine eigene Psyche zu verfügen. Der zweite Anwendungsfall ist das Problem des invertierten Netzhautbildes in der Philosophie der Wahrnehmung, das wissenschafts- und philosophiegeschichtlich eingebettet und unter besonderer Berücksichtigung von Descartes diskutiert wird. Schließlich werden offensive Rechtfertigungen homunkularer Redeweisen erörtert und größtenteils zurückgewiesen.

Links

PhilArchive

External links

  • This entry has no external links. Add one.
Setup an account with your affiliations in order to access resources via your University's proxy server

Through your library

Similar books and articles

Über den Homunkulus-Fehlschluß.Geert Keil - 2003 - Zeitschrift für Philosophische Forschung 57 (1):1 - 26.
Die Wiederkehr des Homunkulus. Thomas Metzingers materialistische Dekonstruktion des Selbstbewusstseins.Lukas Ohly - 2011 - Neue Zeitschrift für Systematicsche Theologie Und Religionsphilosophie 53 (2):155-170.
Die Deutung des Homunkulus in Goethes Faust.Carl Enders - 1920 - Zeitschrift für Ästhetik Und Allgemeine Kunstwissenschaft 14:42-68.
Naturrecht, ohne naturalistischen Fehlschluss: ein rechtsphilosophisches Programm.Otfried Höffe - 1980 - Wien: Verlag des Verbandes der wissenschaftlichen Gesellschaften Österreichs.
Natur als Norm bei Platon – ein Fehlschluss?Ekkehard Martens - 2007 - Deutsche Zeitschrift für Philosophie 55 (6):995-998.
Die Lösung des Goodman-Paradoxons: Goodmans Fehlschluss.K. Eichner - 1975 - Société Française de Philosophie, Bulletin 66 (4):500.
Über Künne über Kripke über Künne über Frege.Andreas Kemmerling - 2011 - Zeitschrift für Philosophische Forschung 65 (3):389-402.
Zur Erkenntnistheorie, Ethik, Logik und Religion.Arthur Schopenhauer - 2000 - Köln: Parkland. Edited by Alexander Ulfig.

Analytics

Added to PP
2015-02-04

Downloads
353 (#53,557)

6 months
46 (#81,787)

Historical graph of downloads
How can I increase my downloads?

Author's Profile

Geert Keil
Humboldt University, Berlin

Citations of this work

Virtuous Homunculi: Nietzsche on the Order of Drives.Mattia Riccardi - 2018 - Inquiry: An Interdisciplinary Journal of Philosophy 61 (1):21-41.
Homunkulismus in den Kognitionswissenschaften.Geert Keil - 2003 - In Wolfgang R. Köhler & Hans-Dieter Mutschler (eds.), Ist der Geist berechenbar? Wissenschaftliche Buchgesellschaft. pp. 77-112.

Add more citations

References found in this work

The Homunculus Fallacy.A. Kenny - 1971 - In Marjorie Glicksman Grene & I. Prigogine (eds.), Interpretations of Life and Mind. New York: Humanities Press. pp. 155-165.
Berkeley's Theory of Vision.D. M. Armstrong - 1963 - Journal of Philosophy 60 (16):472-473.

Add more references