Synthesis Philosophica 25 (1):101-107 (2010)

Abstract
Joachim Ritter und andere versuchten es, Geisteswissenschaften durch „Kompensationstheorie“ zu rechtfertigen. Ritter zufolge ersetzen die Geisteswissenschaften die infolge des Modernisierungsprogresses ausgelösten Verluste und Risiken. Die Kompensationstheorie scheint eine Rechtfertigung der Geisteswissenschaften in Bezug auf die Dynamik der modernen Welt zu bieten. Prima facie erscheint dies attraktiv, zu Zeiten, wenn der Erfolg der Naturwissenschaften und Technologie augenfällig ist und die Geisteswissenschaften in die Defensive gedrängt werden. Der Artikel erhebt jedoch vier Einwände gegen die Kompensationstheorie: Die Theorie sei durch ein antiquarisches Interesse an der Geschichte geprägt; sie ziehe lediglich die konservatorische Funktion der Geisteswissenschaften in Erwägung; sie stufe die Geisteswissenschaften zu einem bloßem Anhang und zu einer bloßen Ergänzung kultureller Änderung herunter; und schließlich überschätze sie die Fähigkeit der Geisteswissenschaften, die Verluste und Risiken der Modernisierung im Gleichgewicht zu halten. Eine Abhandlung über die Kirchengeschichte kompensiert keine modernen Glaubensverluste. Ein Essay über Caspar David Friedrich stellt keinerlei Ausgleich für eine zerstörte Landschaft dar. Die Überzeugung, jeder Verlust oder Schaden finde seine Kompensation, stützt sich vermutlich auf den religiösen Glauben an Vergebung oder auf die philosophischen Argumente für die Theodizee. Die Schlussfolgerung lautet: Die Geisteswissenschaften sollten nicht durch Argumente der Nützlichkeit gerechtfertigt werden. Sie sind „nützlich“, weil sie überhaupt nicht nützlich sein müssen
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